Plattentests Online 23.09.2005

 
Helldorado - The ballad of Nora Lee Helldorado - The ballad of Nora Lee
Checkpoint Charlie / Glitterhouse / Indigo
VÖ: 23.09.2005
Spielzeit: 45:51 min.

Unsere Bewertung: 8/10
8/10

 

Eure Ø-Bewertung: 7/10
7/10
(Durchschnittswert)

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Mörderballaden

Der kalifornischste Gouverneur ist ein Österreicher, die gigantischsten Hollywoodproduktionen macht ein Deutscher, und der Weltmeister im Hot-Dog-Verputzen ist ein Japaner. Da verwundert es nur wenig, daß eines der großartigsten Americana-Alben dieser Zeit ausgerechnet aus Norwegen kommt. Die Urheber nennen sich stilsicher Helldorado und tragen gleich zur Eröffnung ihres Albums "The ballad of Nora Lee" mit dem Titeltrack mal so richtig dick auf. Der Song hätte auch Nick Cave bei seinen "Murder ballads" gut gestanden, ein fettes Polster aus warmen Streichern lädt ein, die todtraurige Story angemessen zu beweinen, und der Gesang erinnert an einen Michael Stipe auf dem Weg nach Reno.

Helldorado orientieren sich durchweg an amerikanischen Folkstandards, geben sich aber nie mit der schnöden Reproduktion des schon so oft Gehörten zufrieden. Die Norweger mischen Traditionelles wie Country und Blues mit genauso bewährtem wie Westcoast-Songwriter-Rock, Beat und Surf und schaffen es tatsächlich, aus diesen sattsam bekannten Ausgangsmaterialen einen ganz eigenen Stil zu kreieren, der tatsächlich das Prädikat "Trademarksound" verdient.

Dabei klingen Helldorado authentischer als so manche Produktion aus dem Heimatland ihrer Musik. Sänger Dag Vagle pflegt einen breiten Südstaatenakzent, während die Instrumentalfraktion Bilder von staubigen Straßen, kakteenumstandenen Bars und umherwehenden Dornenbüschen direkt vor das geistige Auge pinselt. Hier gibt es Dramen an lauen Sommerabenden, schicksalhafte Begegnungen in mittäglicher Gluthitze und Whiskey am Lagerfeuer statt Wodka bei Mitternachtssonne.

Die vier Akteure stecken dabei ihr Revier weiträumig auf dem Gebiet der allamerikanischen Folklore ab. Tex-Mex-Gebläse, Delta-Bluesharp und die dickhalsige Resonatorgitarre bilden nicht etwa die Eckpunkte, sondern vielmehr das Zentrum des Helldorado-Landes. Und obwohl das Gebiet so weit wie Norwegen lang ist, gibt es hier doch keinen einzigen langweiligen Ort. Manches mag unscheinbar sein, doch hier entfaltet wirklich jeder Song eine Eigenartigkeit und - manchmal etwas herbe - Schönheit. Vielleicht sollte ein Norweger Amerikanischer Präsident werden. Das täte der Welt gut.

(Rüdiger Hofmann)

 
 
Highlights:
The ballad of Nora Lee; Helltown; Guitar noir; The devil's kiss

Tracklist: The ballad of Nora Lee; Just like fire; Helltown; The black winds; Down to the water; Guitar noir; Rock your soul; So long ago; Honky tonk aliens; A drinking song; The devil's kiss; Waiting around to die (12)

Referenzen:
Giant Sand; Howe Gelb; Calexico; The Walkabouts; Midnight Choir; Steve Wynn; Das Weeth Experience; The Sidewinders; Firewater; Nick Cave & The Bad Seeds; Crosby, Stills & Nash; Neil Young; Rich Hopkins; Sand Rubies; The Cruzados; Tito & Tarantula; The Gun Club; Emmerhoff & The Melancholy Babies; Madrugada; 16 Horsepower; Wovan Hand; Saint Thomas; Kristofer Åström & Hidden Truck; Isolation Years; R.E.M.; The Schramms; Townes Van Zandt; Jackson Browne
  Anhören oder bestellen:


Surftips:
http://www.helldorado.no/
http://www.checkpoint.no/ccap/helldorado.html
http://www.glitterhouse.com/index.asp?mode=artinfo&id=41991

 

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